Malý Rohozec, eine kleine Gemeinde nur ein paar Kilometer nördlich von Turnov liegend, gehörte ursprünglich zur der Herrschaft Hrubý Rohozec. Die bedeutenden Besitzer dieser Herrschaft waren in der Vergangenheit unter anderem die Herren aus Wartenberg, Johann der Jüngere aus Michalovice, Nikolaus aus Waldstein und Johann Tovaèovský aus Cimburk. Im 17. Jahrhundert gehörte Rohozec dem berühmten Albrecht von Wallenstein, der während des dreissigjährigen Krieges im Jahre 1634 in Cheb (Eger) ermordet wurde.

Malý Rohozec hat sich verselbständigt, als der Hof der Maria Margarethe, Gräfin Tscherniner aus Chudenice, von ihrem Vater Nikolaus, Graf Des Fours, im Jahre 1650 gewidmet wurde. Mit kurzen Unterbrechungen besass das Geschlecht Des Fours die Herrschaft Malý Rohozec bis zum Jahre 1832, wo sie die Rohanen übernommen haben. Von ihnen hat sie im Jahre 1836 Ferdinand Unger für 30 000 Zloty abgekauft. Ferdinand Unger hat sich bald nach dem Erwerb mit dem Gedanken über den Aufbau einer Bierbrauerei beschäftigt. In der näheren Umgebung haben damals einige grössere aber auch kleinere Brauereien Bier gebraut, so dass es dem Herrn Unger erst ungefähr zehn Jahre später gelungen ist, seine Absicht zu verwirklichen.

Von dem Gründer der Brauerei Ferdinand Unger erbte sein Sohn Karl die Herrschaft Malý Rohozec und mit ihr auch die Brauerei im Jahre 1850. Dieser hat sie bis zum Jahre 1906 gehalten, wo er sie seinem Sohn Karl abgetreten hatte, dem Adeligen von Unger.

Im Jahre 1907 haben die Wirte des Bezirkes Semily angefangen, sich nach einer eigenen Brauerei umzuschauen, deren Besitz ihnen bessere Bedingungen der Bierabnahme für ihre Gasthäuser ermöglichen würde. Dank Alois Housa, dem Wirt in Semily und späterem Lagerverwalter in der Brauerei sowie Pavel Skrbek, dem Wirt in Bítouchov, ist es gelungen, eine Gruppe zu bilden, die all ihre Bemühungen auf den Aufbau einer neuen Bierbrauerei gerichtet hatte. Zu der Gruppe aus Semily haben sich dann auch die Kollegen aus der Gegend von Železný Brod angeschlossen und die Bewegung hat sich unter der Losung des Kampfes gegen das Bierbrauereikartell und Grosskapital entschlossen, sich zu verselbständigen. Als zu dieser Aktion im Jahre 1908 auch noch die Wirte aus Vysoké und Jilemnice beigetreten sind, wurde bald eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet, der noch in dem gleichen Jahr die Wirte aus dem Bezirk Turnov beigetreten sind. Alle Inhaber der neu gegründeten Gesellschaft haben sich ständig mit dem Gedanken beschäftigt, eine neue Bierbrauerei zu gründen und haben in der Gegend von Jizera einen günstigen Platz gesucht, der einen Zutritt zum guten Wasser hatte.

Im Mai 1909 hat Karl Unger die Brauerei mittels seinen Brauer Alois Holub zum Kauf angeboten. Die Gesellschaft der Wirte hat sich bereits im Juli entschlossen, von Unger die ganze Herrschaft abzukaufen, d.h. nicht nur die Brauerei, sondern auch den anliegenden Bauernhof. Nachdem der Gesellschaft auch die Wirte von Mnichovo Hradištì und Èeský Dub beigetreten sind, wurde das notwendige Kapital gewonnen und die Wirte haben die Herrschaft von Karl Unger für 900.000 Kronen abgekauft. Die Aktion hat sich auch auf Mladá Boleslav und Jièín erweitert und am 19. April 1910 konnte endlich der Gesellschaftsvertrag unterzeichnet werden, mit dem die Firma Gesellschaftliche Bierbrauerei der Wirte, GmbH in Malý Rohozec gegründet wurde. Zu einem ihrer Gesellschafter wurde auch Karl Unger, der sich an der Brauerei ein ganzes Drittel der Anteile behalten hatte. Ins Handelsregister wurde das Unternehmen am 7. Mai 1910 eingetragen.

Im Jahre 1913 änderte die Firma den Namen auf Gesellschaftliche Bierbrauerei und Grosshof, GmbH, Malý Rohozec bei Turnov und dieser Name hat sich bis zum Jahre 1924 gehalten, wo die Bierbrauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Damals ist es aber in der Brauerei wegen schlechten Investitionen zu grossen Problemen gekommen, die erst im Jahre 1927 gelöst wurden, wo das Stammkapital der Gesellschaft erhöht wurde.

Im Jahre 1935 geriet die Brauerei mit ihrem Ausstoss von 42.956 Hektoliter Bier an die 27. Stelle unter 328 Bierbrauereien in der Republik, einige Jahre vorher bewegte sie sich sogar unter den ersten zwanzig. Viele Unternehmen, die damals auf einen viel grösseren Produktionsumfang stolz waren, gibt es heute nicht mehr.

Im Jahre 1948 wurde die Brauerei in Malý Rohozec verstaatlicht und wurde zum Bestandteil des nationalen Betriebes Nordböhmische Bierbrauereien. Danach wurde sie kurz selbständig, um wieder zu einem Produktionswerk der Brauerei in Trutnov werden zu können und anschliessend zu einem Bestandteil der Nordböhmischen Bierbrauereien Hradec Králové, genau nach der Strategie der damaligen Zeit, wo die Bierbrauereien sich in grosse Komplexe zusammengeschlossen haben, deren Struktur in den Zeiten, wo noch kein Wettbewerb existierte, aufgrund eines künstlich gebildeten Marktes oft die Logik vermisste. Die Eingliederung in die grosse Gruppe und die Planwirtschaft beeinflussten ohnehin den Anstieg des Ausstosses der Brauerei auf 50 bis 100 tausend Hektoliter pro Jahr.

Im Jahre 1994 kaufte die Brauerei das Ehepaar Korbel in einer öffentlichen Ausschreibung des Fonds des nationalen Eigentums. Unter deren Besitz ist die Brauerei aber immer baufälliger geworden, und obwohl sie pausenlos Bier gebraut haben, war die Wirtschaftsführung sehr unprofessionell. Das Ehepaar Korbel hat gemeinsam mit der damaligen Unternehmensleitung den Betrieb der Brauerei mit vielen Millionen Schulden belastet, so dass sie kurz vor dem Bankrott stand. Im Jahre 2000 produzierten sie nur ein Fünftel dessen, was sie noch vor fünf Jahren produzierten. Aufgrund dieser Tatsache sowie aller vorherigen Ereignisse wurde sie im darauffolgenden Jahr auf den gleichen Weg geschickt, wie es bei vielen seiner Vorgänger der Fall war, die in die Versenkung der Geschichte und damit in Vergessenheit geraten sind. Aber einst begründeten sie alle gemeinsam den nationalen Bierbrauereienstolz sowie die weltweit anerkannte Elite in der Vielfältigkeit und Qualität des böhmischen Bieres, die leider in Folge der übernationalen Gesellschaften langsam untergeht, denn diese beherrschen bereits die Mehrheit des tschechischen Biermarktes. Die kleinen und mittleren Brauereien sind nicht auf die entstandene schockierende Situation des Marktes vorbereitet und können nicht auf die Demagogisierung des Volkes durch die überwältigende Werbung reagieren. Eins der grössten Verdienste an dieser Situation trägt auch unsere offiziele staatliche Einrichtung, die nicht in der Lage war, unsere nationalen Kleinode vor dem Beitritt des ausländischen Kapitals zu schützen sowie vor dem kopflosen und nicht durchdachten Verkauf einiger kleinerer und mittlerer Brauereien in falsche Hände.

Eine radikale Änderung erlebte die Bierbrauerei erst im Jahre 2002, wo zu ihr offiziell das Unternehmen Mivo Bohemia beigetreten ist. Einige radikale Schritte wurden bereits früher unternommen, aber einen nachhaltigen Aufstieg der Brauerei können wir mit dem Jahr 2002 datieren. Der neue Inhaber hat sofort den Prozess der Erhöhung der Effektivität sowie die Erweiterung des Handelsnetzes aufgenommen, dessen Zerfall in den vorherigen Jahren einen wesentlichen Einfluss auf die Verkaufssenkung hatte.

Das Unternehmen mit seinen nicht standardmässigen Verfahren und einer völlig anderen Politik, als bei den grossen Brauereien und deren übernationalen Besitzern, war damit erfolgreich, dass die Brauerei mit einer unüblichen Strategie auf den Markt gekommen ist. Der Ruf über ein gutes, starkes und ehrliches Bier verbreitete sich in der Region aber auch ausserhalb sehr schnell. Heutzutage finden wir schon viele Verkaufsstellen und Restaurants, wo der Kunde und Bierkenner verschiedene Biersorten aus Malý Rohozec kaufen und anschliessend geniessen kann.

Aufruf zum Nachdenken:

Das kopflose und mächtige Instrument der Mächtigen ist das Volk selbst, das sich die Taschen leert und an Geschmack verliert. Deswegen wollen wir dem Volk die Augen öffnen und ihm helfen, sich in den Prozess der Säuberung einzubringen.

Petr Polák, Inhaber des Unternehmens Mivo Bohemia

        

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